Es
gibt Experten, die können einem Straßenkarten der
Elternschaft zeichnen mit allen Abzweigungen und jedem
Sonderweg. Sie überblicken das von ganz weit oben. Haben
das große Ganze im Blick. Das haben wir nicht. Wir können
nur über die Pfade berichten, die wir selbst erkundet
haben. Die Parkwege, über die wir den Kinderwagen geschoben
haben, die endlosen Tunnel der Fiebernächte und die vielen
kleinen Sackgassen, die wir alle ausprobiert haben. Wir
haben unseren Lesern genau eines voraus: Dass wir die
Elternzeit als Männer schon durchlebt haben. Und wir sind
überzeugt, dass die Leser dieses Buches von unseren
Erfahrungen profitieren können. Damit sie, statt all unsere
Fehler zu wiederholen, in ihrer Elternzeit ihre eigenen
machen.
Wir haben Erfahrungen mit der Vaterzeit, erfahrene Väter
sind wir deshalb aber noch lange nicht –
Erziehungsratschläge können und wollen wir nicht geben. Wo
es aber sinnvoll war, auch mal den Blick von oben zu wagen,
haben wir Leute gefragt, die den haben. Eben die Experten –
für Arbeitsmarkt und Finanzen zum Beispiel, für Psychologie
und, ja, auch für Erziehung.
Für uns ist Papa in Elternzeit das schönste Amt der Welt.
Weit vor Papst und SPD-Vorsitz. Und wir finden, dass es ein
echter Job ist für Kerle mit Kind. Einer, bei dem wir viel
Spaß hatten. Und den wir trotzdem so ernst genommen haben
wie den Beruf, den wir vor und nach der Elternzeit
ausübten.
Nun kann man sagen, wir machen viel Tamtam um etwas, das
bei Frauen selbstverständlich ist: um das Kümmern ums Kind.
Nur ist genau das bei Männern eben nicht
selbstverständlich. Deswegen wollen wir dafür werben, dass
Männer in Elternzeit gehen. Sie wollen wir erreichen. Und
ihre Frauen, Schwestern und Schwiegermütter, die ihnen
dieses Buch vielleicht als kleine Entscheidungshilfe auf
den Nachttisch packen. Zum Informieren und Amüsieren.
Wickeln, füttern, schlafen legen – das ist unser moderner
Dreikampf.
Wir können die Badetemperatur mit einmal Finger reinhalten
bestimmen. Ein Kind wickeln, das sich auf der Kommode dreht
wie ein wild gewordener Döner-Spieß. Und das exakte
Verhältnis zwischen Breipulver und Wasser ohne Messbecher
bestimmen. Na ja. Zumindest wissen wir mittlerweile, dass
Kinder bei 35,5 Grad in der Wanne nicht erfrieren, eine
schiefe Windel auch hält und etwas zu kühle Milch nicht
gleich zur Kolik führt.
Vor allem aber haben wir kapiert, wie viel es bringt, sich
für eine Weile ganz dem eigenen Nachwuchs zu widmen. Für
die Kinder – und für uns selbst. Wir haben sie besser
kennengelernt und an ihnen ebenso oft neue Seiten entdeckt
wie an uns. Wir haben erfahren, worauf es ankommt: Dass
Aufmerksamkeit, Gelassenheit und Liebe schenken wichtiger
ist als Perfektion. Und ganz nebenbei sind wir natürlich
auch Profis geworden. Wickelprofis. Wir wissen: Shit
happens. Aber wir wissen auch, wo die Ersatzstrumpfhose
ist.